Ursachen einer HNMT-bedingten Histapenie/Histaminintoleranz

Eine ebenfalls v.a. von amerikanischen Ärzten und Forschungsarbeiten geäußerte Theo­rie ist, dass es aufgrund verschiedener (zum Teil noch ungeklärter Ursachen) auch zu einer sog. „Übermethylie­rung/ Overmethylation“ bzw. zu einer gesteigerten Synthese/Aktivität von an der Methylierung be­tei­li­gten Enzymen (z. B. das histaminmethylierende Enzym HNMT) kommen kann. In der Folge wer­den die methylierungspflichtigen Stoffgruppen (z. B. Histamin o. Östrogen) vermehrt methyliert/abge­baut und anschließend über den Urin ausgeschieden. Im Fall des Histamins bedeutet dies, dass auf­grund einer gesteigerten Synthese/Aktivität des histaminabbauenden Enzyms HNMT die Methylie­rung (Abbau) von Histamin zu Methylhistamin erhöht ist und in der Folge vermehrt Methylhistamin über den Urin ausgeschie­den wird. Auch dies kann zu einer Verminderung des Histaminspiegels im Blut führen. Folglich kann neben einer DAO-Hyperaktivität auch eine Übermethylie­rung des Hista­mins durch die HNMT zu einer Verminderung des Hista­minspiegels im Körper (Histape­nie) führen. Diese HNMT-bedingte Histapenie kann anscheinend ebenfalls die typischen pseudoaller­gischen Symptomen einer Histaminin­tole­ranz verursachen, da bei jeder „Histaminzu­fuhr“ (z. B. durch Nahrung o. Medikamente) der eigentlich zu niedrige His­taminspiegel zu schnell in die Höhe schießt. 

 

Mögliche Ursachen einer HNMT-Überproduktion (Übermethylierung)

  • Ursachen unbekannt

  • Chronischer Mangel der Mikronähstoffe aktives Vitamin B6  &  Zink
    • Ein chronischer Mangel an aktivem Vitamin B6 (Pyridoxal-5-Phosphat / P5P) und Zink kann zahlreiche Ursachen haben. Eine der Ursachen ist eine sogenannte Kryptopyrrolurie (HPU/KPU), die zu einer vermehrten Ausscheidung von Vitamin B6 & Zink über den Urin führt. Bei 50% aller HPU/KPU-Betroffenen findet man interessanterweise zusätzlich einen verminderten Histaminspiegel im Blut (Histapenie). Diese Histapenie kann v.a. durch den Mangel an aktivem Vitamin B6 (P5P) entstehen:

      • Ein Grund könnte sein, dass durch den HPU-bedingten chronischen Mangel an Vitamin B6 (P5P) die Synthese/Aktivität des Pyridoxalphosphat-abhängigen Enzym Histidindecarboxylase (HDC), das für die Produktion von endogenem Histamin aus der Aminosäure Histidin in den Mastzellen verantwortlich ist, vermindert ist. Weshalb in der Folge weniger endogenes Histamin synthetisiert wird als eigentlich physiologisch notwendig wäre = der Histaminspiegel im Körper sinkt dadurch unter das physiologisch notwendige Niveau.

      • Ein anderer Grund könnte sein, das durch den HPU-bedingten chronischen Mangel an Vitamin B6 (P5P) den Pyridoxalphosphat-abhängigen Enzymen (z.B. CBS), die für die Transsulfuration (Abbau) des Homocysteins zu Cystein verantwortlich sind, nicht genügend aktives Vitamin B6 (P5P) zur Verfügung steht. Weshalb in der Folge der Abbau des Homocysteins zu Cystein (Gluthation) sinkt und vermehrt nicht-abgebautes Homocystein im Methionin-/Homocysteinmethylierungskreislauf verbleibt. In der Folge wird dadurch mehr Homocystein in inaktives Methionin (L-Methionin) und anschließend in aktives Methionin (SAM) remethyliert als eigentlich physiologisch notwendig wäre. Bedingt durch die vemehrte Verfügbarkeit von SAM erhöht sich wiederum u.a. auch die Synthese/Aktivität des histaminabbauenden Enzyms HNMT, wodurch in der Folge vermehrt Histamin methyliert/abbaut wird = der Histaminspiegel sinkt dadurch unter das physiologisch notwendige Niveau.


  • Eventuell MTHFR-Hyperaktivität aufgrund Schilddrüsenüberfunktion
    • Bei einer chronischen Erhöhung des Schilddrüsenhormons Thyroxin (T4) infolge einer Schilddrüsenüberfunktion (o. auch einer Graves-Thyreoiditis) wird vermehrt inaktives Vitamin (Riboflavin) B2 in aktives Vitamin B2 (Riboflavin-5-Phopshat) umgewandelt. Die erhöhte Verfügbarkeit von aktivem Vitamin B2 führt an­schließend zu einer vermehrten Bildung von FAD. Da FAD der Haupt­kofaktor für die Synthese/Aktivität des Enzyms MTHFR (Methylentetrahy­dro­folat­reduktase) ist, wird durch das ver­mehrte FAD die Synthese/Aktivität der MTHFR gesteigert. Dies führt in der Folge dazu, dass die MTHFR vermehrt inaktives Folat (Folsäure) in aktives Folat (L-Methyl­folat) umwandelt. Da das im sog. "Folatkreislauf" synthetisierte L-Methylfolat wiederum der Hauptkofaktor für die Remethylie­rung des Homocysteins innerhalb der Methionin-/Homocysteinmethylierungskreislaufs ist, kommt es durch den erhöhten L-Methyl­folat-Spiegel unter Umständen zu einer sog. Übermethylierung. D.h. es wird mehr Homocystein in inaktives Methionin (L-Methionin) und anschließend aktives Methionin (SAM) remethyliert als eigentlich physiologisch notwendig wäre. Bedingt durch die vemehrte Verfügbarkeit von SAM erhöht sich wiederum u.a. auch die Synthese/Aktivität des histaminabbauenden Enzyms HNMT, wodurch in der Folge vermehrt Histamin methyliert/abbaut wird = der Histaminspiegel sinkt dadurch unter das physiologisch notwendige Niveau.     

 

 Mögliche Symptome bei Übermethylierung (nach Pfeiffer):
(vgl. Strienz, Joachim: Leben mit KPU - Kryptopyrrolurie, 2008, S. 51)

  • Allergologisch
    • Keine/wenig Allergien 

    • Keine Migräne

    • Selten Kopfschmerzen 

    • Kein allergisches Asthma

    • Keine Multiple Chemikalienunverträglichkeit (MCS)

  • Intestinal
    • Unverträglichkeit histaminhaltiger Nahrungsmittel, Medikamente, etc.

  • Physisch
    • Starke Körperbehaarung

    • Kurze, dicke Finger & Zehen

    • Verminderte Speichelproduktion (schlechte Zähne)

    • Langsamer Stoffwechsel = Neigung zu Übergewicht

    • Geringe Schmerzempfindlichkeit

    • Schlechte Kältetoleranz

    • Gute Wärmetoleranz

  • Psychisch
    • Als Kind schwache Leistungen

    • Neigung zu Größenwahn 

    • Schwache Libido (geringes Sexualverlangen, kein rascher Orgasmus)

    • Gedankenspiele / sich überschneidende Gedanken (zerfahren / übererregt - overstimulated mind)

    • Starkes Misstrauen gegenüber anderen Menschen

    • Neigung zu Zwängen & Ritualen

    • Bei starkem Neurotransmittermangel:

      • Innere Angstzustände (die äußerlich wahrnehmbar sind)
      • Angststörungen (Angst von außen gesteuert zu werden)
      • Panikanattacken
      • Halluzinationen  & Paranoia (v.a. bei jüngeren Patienten)
      • Paranoide Schizopherenie 
      • Bipolare Störungen (25% der Patienten mit bipolaren Störungen haben einen erniedrigten Histaminspiegel)

 

  • Sonstiges
    • Muskelzuckungen (Periodic Limb Movement)

    • Muskelzittern / Missempfindungen

    • Aphten (an den Lippen)

    • Tinnitus

 

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