Ursachen einer HNMT-bedingten Histadelie/Histaminintoleranz

Nationale und internationale Forschungsarbeiten zum Thema Histaminintoleranz weisen immer wieder darauf hin, dass es noch einen zweiten wichtigen Abbauweg des Histamins im Körper gibt, der durch das Enzym Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) gesteuert wird (siehe u.a. "His­tamine and histamine intolerance" oder "Die verschiedenen Gesichter der Histaminintoleranz" oder Schweizerische Interessensgemeinschaft Histaminintoleranz (SIGHI) oder Histaminbase). 

Das Enzym HNMT befindet sich in vor allem in der Leber (aber auch in der Haut, den Atemwegen sowie dem ZNS) und ist dort für den intra-zellulären Abbau des Histamins verantwortlich. Dieser Abbau wird auch "Methylierung" genannt, da die HNMT dazu an das Histamin eine Methylgruppe, die sie vom Methylgruppen-Spender aktives Methionin (SAM) erhält, anhängt. Anschließend wird das so entstandene Methylhistamin durch die Enzyme MAO und bestimmte Aldehydhydrogenasen weiter zur ausscheidbaren Methylimidazolessigsäure degradiert. 

Merke: Auch andere Stoffgruppen, wie z. B. Östrogen müssen mit Hilfe des Methylgruppen-Spenders SAM in der Leber methyliert werden, um sie abbauen (degradieren) bzw. ausscheiden zu können! Andere Stoffgruppen, wie z. B. die Neurotransmitter Serotonin und Dopamin oder auch das Schlafhoromn Melatonin, können hingegen erst mit Hilfe von SAM synthetisiert werden!  

Kommt es aufgrund verschiedener Ursachen (siehe unten) zu einer Verminderung der Synthese/Aktivität der HNMT, kann intrazelluläres Histamin nicht mehr ausreichend methyliert/abgebaut und anschließend ausgeschieden werden. Dieser Zustand wird auch "Untermethy-lierung/Undermethylation" des Histamins genannt.

"A common action performed by methylation that you appreciate daily is the breakdown of histamine. A methyl group is made by the methylation pathway and it floats around until it finds a specific enzyme to bind to. In this case, the methyl group binds to histamine. When a methyl group binds to histamine, histamine breaks apart and goes away. You can now figure out what happens if your methylation pathway is not producing enough methyl groups in this case.  Your histamine does not break apart and thus your histamine levels increase,  causing your nose to run and eyes to itch." (Quelle: Interview mit Dr. Benjamin Lynch: "The Link Between MTHFR Gene Mutations and Disease, Including Thyroid Health")


Auch eine Untermethylierung des Histamins kann also zu einem pathologischen Anstieg des Histaminspiegels im Blut führen und so eine  Hista­delie/Hista­min­intole­ranz verursachen – trotz eventuell gleich­zeitig normaler DAO-Aktivität! Auch in diesem Fall kann jede zusätzliche „Histaminzufuhr“ (z. B. durch Nahrung o. Medikamente) ein weiteres Ansteigen des bereits erhöhten Histamin­spiegels erzeugen, was sich dann ebenfalls in Form verschiedener pseudo­allergischer Reaktionen wie z. B. Asthma (vgl. „Symptome“) äußert.

Die HNMT-bedingte Histadelie/Hista­min­­intoleranz ist also die Folge einer intrazellulären Histamin-Abbaustörung, die durch eine Unterfunktion des histaminmethylierenden/-abbauenden Enzyms Histamin-N-Methyl­transferase (HNMT) entsteht (vgl. "Diagnose"). 

 

DAO U HNMT ABBAUWEG 01

 Bildquelle: Ganzimmun Diagnostics

 

Mögliche Ursachen einer HNMT-Verminderung (Untermethylierung):

 

  • Chronischer Mangel der Mikronährstoffe aktives Vitamin B9 (Folat) & aktives Vitamin B12 
    • Vor allem die biologisch aktive Form des Folats (L-Methylfolat) und des Vitamin B12 (Methylcobalamin) gelten als essentielle Kofaktoren für den Methionin-/Homocysteinmethylierungskreislauf, welcher der Histamin-Methylierung durch die HNMT übergeordnet ist (siehe Bild unten). In diesem übergeordneten Methylierungkreislauf wird mit Hilfe der Mikronährstoffe/Kofaktoren aktives Folat (L-Methylfolat) und aktives Vitamin B12 (Methylcobalamin) sowie auch Magnesium inaktives Methionin (L-Methionin) synthetisiert, aus dem anschließend aktives Methionin (SAM) entsteht. SAM dient als Methylgruppen-Spender für die Methylierung (Abbau) des Histamins durch die HNMT.

    • Ursachen für einen Mangel dieser aktiven Mikronährstoffe können z. B. sein:

      • Angeborene MTHFR-Hypoaktivität durch MTHFR-Gendefekt

        Dieser recht häufig vorkommende vererbte Gendefekt verursacht eine mäßig bis stark verminderte Synthese/Aktivität des Enzyms Methylentetrahy­dro­folat­reduktase (MTHFR). Aufgabe des Enzyms MTHFR ist die Umwandlung der biologisch inaktiven Form des Folats (d.h. der synthetischen Fol­säure, die u.a. Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln zugesetzt wird) in die biologisch aktive Form des Folats (L-Methylfolat). Wird nicht genü­gend inaktives Folat (Folsäure) in aktives Folat (L-Methylfolat) umgewandelt (siehe Folat-Methylierungskreislauf im Bild unten), fehlt einer der wichtigsten Kofaktoren für die Homocystein-/Methioninmethylierung und es kommt zu einer sog. Untermethylierung, deren Folge eine verminderte Synthese von inaktivem Methionin und seinem Nachfolger, dem methylgruppenspendenden aktivem Methionin bzw. SAM (HNMT-Kofaktor!) ist. 
        View: Podcast by Dr. Benjamin Lynch "MTHFR, Over-Methylation, Histamine & Asthma"

      • Erworbene MTHFR-Hypoaktivität durch Schilddrüsenunterfunktion/Vitamin-B2-Mangel

        Auch wenn kein MTHFR-Gendefekt vorliegt, kann die Synthese/Aktivität des Enzyms MTHFR vermindert und damit der Folat-Methylierungskreislauf gestört sein. Dies wirkt sich dann ebenfalls neagtiv auf das Funktionieren des Methionin-/ Homocystein-methylierungskreislauf aus. Eine der Hauptursachen einer nicht genetisch bedingten Unterfunktion (Hypoaktivität) der MTHFR ist ein Mangel an FAD (sog. Flavinadenindinucleotid), da dieSynthese/Aktivität des Enzyms MTHFR besonders vom ausreichenden Vorhandesein von FAD abhängig ist. FAD wird im Körper aus aktivem Vitamin B2 (Ribolfavin-5-Phosphat) gebildet. Aktives Vitamin B2 (Riboflavin-5-Phosphat) wird wiederum mit Hilfe des Schilddrüsenhormons Thyroxin (T4) aus inaktivem Vitamin B2 (Riboflavin) synthetisiert. Thyroxin (T4) ist somit ein essentieller Kofaktor für die Umwandlung von inaktivem Vitamin B2 in aktives Vitamin B2. Das heißt, steht aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion (oder auch einer Hashimoto-Thyreoiditis) nicht genügend Thyroxin (T4) zur Verfügung, kann nicht genügend inaktives Vitamin B2 in aktives Vitamin B2 umgewandelt werden. Ist nicht genügend aktives Vitamin B2 vorhanden, kann wiederum in der Folge auch nicht genügend FAD synthetisiert werden. Der Mangel an B2/FAD führt dann wiederum zu einer Verminderung der Synthese/Aktivität der MTHFR und folglich zu einem Mangel des Methylierungskofaktors L-Methylfolat (siehe Bild). 

      • Erworbene MTHFR-Hypoaktivität durch Einnahme bestimmter Medikamente

      • Unter- o. Fehlernährung

      • Latente Pankreasinsuffizienz und dadurch eventuell bedingte Maldigestion

      • Gastrointestinale Erkrankungen und dadurch eventuell bedingte Maldigestion/Malabsorption (z. B. Vitamin-B12-Mangel durch Gastritis Typ A) 

  

Methylierungskreislauf
Erklärung: HNMT-übergeordnete Methylierungskreisläufe

 

  • Leberschwäche/-erkrankungen
    • Da sich die HNMT hauptsächlich im Zytosol der Leberzellen befindet und dort das intrazelluläre Histamin abbaut, können Beeinträchtigungen der Funktion der Leber bzw. ihrer Zellen auch die Synthese/Aktivität der HNMT vermindern (HNMT-Hypoaktivität). Dies führt in der Folge dann zu einer verminderten Methylierung (Abbau) des intrazellulären Histamins durch die HNMT in den Leberzellen. Die Funktion der Leber kann u.a. durch folgende Faktoren beeinträchtigt werden:

      • Langzeiteinnahme lebertoxischer Medikamente

      • Alkoholmissbrauch

      • Angeborene Defekte von Leberenzymen (vgl. MTHFR-Genmutation)

      • Erkrankungen der Leber


  • Angeborener HNMT-Gendefekt

 

 Mögliche Symptome einer Untermethylierung (nach Dr. Pfeiffer)
 
(vgl. u.a.: Streinz, Joachim: Leben mit KPU - Kryptopyrrolurie, 2008, S. 52)

  • Allergologisch
    • Allergien (Fließschnupfen; Juckreiz von Augen, Nase, Hals, Haut; Ödeme; Hautausschläge) - Approx. 75% of undermethylators have seasonal allergies!

    • Migräne u./o. Kopfschmerzen 

    • Allergisches Asthma

  • Intestinal
    • Unverträglichkeit histaminhaltiger Nahrungsmittel, Medikamente, etc.

      • Durchfall, Blähungen, Mirgäne, Fließschnupfen, Asthma, Herzklopfen, erhöhter Pulsschlag, Schwindel, niedriger Blutdruck, Ermüdung, Magenschmerzen, etc.

      • ASS-Unverträglichkeit (z. B. Aspirin)

    • Andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten


  • Physisch
    • Wenig Körperbehaarung (u.a. geringer Bartwuchs)

    • Lange, schmale Finger & Zehen (der 2. Zeh überragt oft den großen Zeh)

    • Vermehrte Speichelproduktion (gute Zähne)

    • Schneller Stoffwechsel = normales Körpergewicht (schlank/mager, evtl. Neigung zu Magersucht / most anorexic patients are undermethylated)

    • Erhöhte Schmerzempfindlichkeit (durch erniedrigte Schmerzschwelle)

    • Kältegefühl/Frieren

  • Psychisch
    • Perfektionismus / Ehrgeiz / Durchsetzungsvermögen

    • Hoch kreativ / gutes Vorstellungsvermögen

    • Ausgeprägte Libido (starkes Sexualverlangen, rascher Orgasmus)

    • Hyperaktiv

    • Schlafstörungen (leichter Schlaf / Schlaflosigkeit)

    • Neigung zu Suchtverhalten 

    • Bei starkem Neurotransmittermangel

      • Innere Angstzustände (die äußerlich aber nicht wahrnehmbar sind)

      • Depressionen (u.a. häufig mit Selbstmordgedanken)

      • Obsessiv kompulsive Störungen (OKS) - Starke Zwänge & Rituale

      • Phobien und Ängste

      • Wahnvorstellungen (keine Halluzinationen)

      • Bipolare Störungen (35% der Patienten mit bipolaren Störungen haben einen erhöhten Histaminspiegel)

  • Sonstiges
    • Muskelschmerzen (bis hin zu Fibromyalgie)

    • Restless Leg Syndrom

    • Gelenkschmerzen u./o. Gelenksteifigkeit u./o. Gelenkschwellungen

    • Vermehrte Erkältungen u./o. grippale Infekte

 

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