Laboruntersuchungen bei Verdacht auf HNMT-bedingte Histadelie/Histaminintoleranz


In manchen Fällen ist trotz eines nachgewiesenen erhöhten Histaminspiegels im Blut (Histadelie) der DAO-Wert normal. Das heißt, obwohl eigentlich genügend DAO zum Abbau des Histamins vorhanden ist, ist der Histaminspiegel erhöht. In diesen Fällen kann der hohe Histamin­spiegel im Blut also nicht durch eine verminderte Synthese/Aktivität der DAO bedingt sein. Man vermutet, dass in diesen Fällen der intrazelluläre Abbau des Histamins durch die sog. biochemische "Methylierung" gestört ist. Diese findet hauptsächlich in der Leber statt. Verantwortlich für die Methylierung bzw. den intrazellulären Abbau des Hista­mins in der Leber ist das Enzym Histamin-N-Methyl­trans­ferase (HNMT). Kommt es durch verschiedene Ursachen (vgl. „Ursa­chen einer HNMT-bedingten Histadelie/Histaminintoleranz“) zu einer verminderten Synthese/Aktivität der HNMT kann dies zu einer HNMT-bedingten Histadelie/Histaminintoleranz führen. Hinweis: Es gibt auch das Phänomen des gleichzeitigen Auftretens einer DAO-bedingten & einer HNMT-bedingte Histadelie/Histaminintoleranz!

Eine Verminderung der Synthese/Aktivität der HNMT lässt sich bisher leider noch nicht direkt la­bordiagnos­tisch nachweisen, jedoch existieren einige Laborparameter, die einen Hinweis auf eine sog. „Untermethylierung“ in der Leber und damit wahrscheinlich auch eine verminderte HNMT liefern können:

Mögliche auffällige Laborparameter bei HNMT-bedingter Histadelie/Histaminintoleranz

  • Primär (siehe unten):
  • Sekundär (siehe unten):
    • Evtl. ↑Folsäure im Serum (Folsäureverwertungsstörung/MTHFR-Gendefekt/MTHFR-Hypoaktivität = bei entsprechenden primären Laborergebnissen) 
    • Evtl. Angeborener MTHFR-Gendefekt o. erworbene MTHFR-Hypoaktivität (z. B. aufgrund B2/FAD-Mangel wg. Schilddrüsenunterfunktion)
    • Evtl. ↑Methylamonsäure im Urin (B12-Mangel) 
    • Evtl. ↓P5P im Serum (B6-Mangel)
    • Evtl. ↓Neurotransmitter (Serotonin, Noradrenalin, etc. = evtl. aufgrund SAMe-Mangel/COMT-Gendefekt vermindert)


B3-Flush-Test (Selbsttest für einen ersten Hinweis auf eine HNMT-bedingte Histaminintoleranz):

Um eventuell einen allerersten Hinweis zu erhalten, ob die Histaminintoleranz möglicherweise zusätzlich zu oder anstatt einer DAO-bedingten Histaminabbaustörung durch eine HNMT-bedingt Histaminabbaustörung verursacht wird, kann man zu Hause einen sog. "B3-Flush-Test" durchführen. Wenn möglich, sollte man ein paar Tage vor Beginn dieses Selbsttests auf die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln verzichten, da sonst das Testergebnis eventuell verfälscht wird! Achtung: Der Test muss unbedingt mit der nicht-flushfreien Form des Vitamin B3 (Niacin), der sog. Nikotinsäure (Nicotinic Acid), durchgeführt werden. Produktempfehlung: Niacin (B3) von Douglas Laboratories (100 mg Nikotinsäure pro Tablette; Tablette müsste an der Einkerbung halbierbar sein). 

Zur Feststellung ob die Methylierung des Histamins normal ist oder eine Unter­methy­lie­rung des Histamins oder aber eine Übermethylierung des Histamins vorliegt, nimmt man morgens auf nüchternen Magen 0,5 Tablette (50 mg) Nicotinsäure ein. Liegt eine Unterme­thy­lierung des Hista­mins (zu hoher Histaminspiegel) vor, verursacht bereits die einmalige Gabe dieser halben Tablette (50 mg) Nicotinsäure Hautrötungen  (sog. „Flush“) u./o. Juckreiz. Stellt sich keine Reak­tion ein, ist die Methylierung des Histamins entweder normal oder es liegt eine Übermethylierung vor. Um dies zu testen, sollte man ein paar Tage später erneut mor­gens auf nüchternen Magen 1 Tablette (100 mg) Nicotinsäure einneh­men. Reagiert man auf diese höhere Dosierung mit Hautrötungen (Flush) u./o. Juckreiz, ist die Methylierung normal. Reagiert man auch diesmal nicht, sollte man die Dosis nach ein paar Tagen in 50-mg-Schritten (1,5 Tablette = 150 mg auf 2 Tabletten = 200 mg bis auf max. 2,5 Tabletten = 250 mg) weiter steigern bis ein Flush eintritt (Achtung: bei 2,5 Tabletten = 250 mg Nicotinsäure in jedem Fall stoppen!). Liegt eine Überme­thy­lierung des Histamins vor (zu niedriger Histaminspiegel) reagieren Betroffene normalerweise erst bei einer Dosis zwischen 150 bis 250 mg Nicotinsäure mit einem Flush (Hautrötungen) u./o. Juckreiz. 

 

Primäre Laboruntersuchungen

 1. Methylhistamin im 24-Std.-Urin: Vermindert

 

2. Homocystein im Serum: Leicht Erhöht (über 8 µmol/l)  o. Stark erhöht (über 10 µmol/l)

  • Erklärung:

    Zwar ist der Homocystinspiegel kein direkter Indikator für die Methylierung des Histamins durch die HNMT, jedoch lassen sich anhand des Homo-cysteinspiegels im Blut Rückschlüsse auf das Funktionieren des übergeordneten "Methionin-/Homocysteinkreislaufs" ableiten, aus dem die HNMT von SAM die Methylgruppen für die Methylierung des Histamins erhalten muss (siehe Bild unten).

    Funktioniert der übergeordnete Methionin-/Homocysteinmethylierungskreislauf normal, wird Homocystein immer wieder in inaktives Methionin (L-Methionin) und anschließend aktives Methionin (SAM) remethyliert (zurückgewonnen). Nicht benötigtes Homocystein wird mit Hilfe des P5P-abhängigen Enzyms Cystation-ß-Synthase (CBS) zu Cystation und anschließend zu Cystein abgebaut. Der Homocystinspiegel im Blut liegt in diesem Fall im Optimalbereich (zw. 6 - 8 µmol/l) und die HNMT erhält die benötigten Methylgruppen von SAM zur Methylierung des Histamins (normaler Histaminspiegel im Blut).

    Kann Homocystein hingegen aufgrund bestimmter Ursachen (vgl. "Ursachen HNMT-bedingter Histadelie/Histaminintoleranz") nicht ausreichend in inaktives Methionin (L-Methionin) und anschließend aktives Methionin (SAM) remethyliert werden, kommt es zu einer sog. Untermethylierung im Methionin-/Homocysteinmethylierungskreislauf. Die Folge dieser Untermethylierung ist, dass vermehrt nicht-remethylierbares Homocystein entsteht. Dieses wird zu einem gewissen Teil zu Cystation/Cystein abgebaut wird, wobei der nicht-abbaubare Rest des Homocysteins aus den Zellen hinausgeschleust wird und schließlich ins Blut gelangt (was folglich den Homocysteinspiegel im Blut steigen lässt). Bei einer Untermethylierung ist deshalb der Homocysteinspiegel im Blut erhöht; gleichzeitig erhält die HNMT wahrscheinlich nicht genügend Methylgruppen von SAM zur Methylierung des Histamins (HNMT-Hypoaktivität).

    Wird Homocystein hingegen aufgrund bestimmter Ursachen (vgl. "Ursachen HNMT-bedingter Histapenie/Histaminintoleranz") in zu starkem Maße in inaktives Methionin (L-Methionin) und anschließend aktives Methionin (SAM) remethyliert, kommt es zu einer sog. Übermethylierung im Methionin-/Homcysteinmethylierungskreislauf. Die Folge dieser Übermethylierung ist, dass nur wenig nicht-remethylierbares Homocystein übrig bleibt, das zu Cystation/Cystein abgebaut werden kann, weshalb gleichzeitig auch immer weniger nicht-abbaubare Reste des Homocysteins aus der Zelle hinaus geschleust werden und ins Blut gelangen (was folglich den Homocysteinspiegel im Blut sinken lässt). Bei einer Übermethylierung ist deshalb der Homocysteinspiegel im Blut erniedrigt; gleichzieitg erhält die HNMT wahrscheinlich zu viele Methylgruppen von SAM zur Methylierung des Histamins (HNMT-Hyperaktivität). 

    • Ein Homocysteinspiegel im Serum, der oberhalb des optimalen Referenzbe­reiches (6 - 8 µmol/l) liegt, ist ein Hinweis auf eine mäßig verminderte Remethylierung des Homocysteins (Untermethylierung) sowie einen damit einhergehenden mäßigen Mangel einzelner oder aller Remethylierungskofaktoren (L-Methylfolat, Methylcobalmin & Magnesium). Ein solcher Homocysteinspiegel bedeutet also, dass weniger methylierungspflichtige Stoffgruppen wie Hista­min (auch Östradiol) mit Hilfe von SAM abgebaut werden (Verdacht → Leichte HNMT-be­dingte Hista­delie/His­ta­min­intole­ranz).

    • Ein Homocysteinspiegel im Serum, der oberhalb des normalen Referenzbe­reiches (> 10 µmol/l) liegt, ist ein Hinweis auf eine stark verminderte Remethylierung des Homocysteins (Untermethylierung) sowie einen damit einhergehenden starken Mangel einzelner oder aller Remethylierungskofaktoren (L-Methylfolat, Methylcobalmin & Magnesium). Ein solcher Homocysteinspiegel bedeutet also, dass sehr viel weniger methylierungspflichtige Stoffgruppen wie Histamin (auch Östradiol) von SAM abgebaut werden (Verdacht → Starke HNMT-be­dingte Hista­delie/His­ta­min­intole­ranz).

    • Ein Homocysteinspiegel im Serum, der unterhalb des optimalen Referenzbereiches (> 6 -8 µmol/l) liegt, ist ein Hinweis auf eine erhöhte Remethylierung des Homocysteins (Übermethylierung) sowie einen eventuellen Überschuss einzelner oder aller Remethylierungskofaktoren (L-Methylfolat, Methylcobalmin & Magnesium) sowie außerdem für einen eventuellen Mangel an aktiven Vitamin B6 (P5P), da dies für den Abbau von Homocystein zu Cystation/Cystein benötigt wird. Ein solcher Homocysteinspiegel bedeutet also, dass vermehrt methylierungspflichtige Stoffgruppen wie Hista­min (auch Östradiol) mit Hilfe von SAM abgebaut werden (Verdacht → HNMT-be­dingte Histapenie/His­ta­min­intoleranz / HPU) oder aufgebaut werden.  
       

  • Bestimmung des Homocysteinspiegels im Serum:

    Die labordiagnostische Bestimmung des Homocysteinspiegels im Serum wird nach aktuellem Wissenstand in Deutschland nur bei ausreichender Indikation (z. B. Throm­boserisiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko) von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Man kann sie aber als Selbstzahler über den behandelnden Arzt durchführen lassen und privat bezahlen. Dazu kann der behan­delnde Arzt den Test bei seinem eigenen Partnerlabor anfordern oder beim Labor (siehe unten),  anschließend das Blut entnehmen und die Blutprobe zur Analyse ins Labor einschicken. Wo?

      • z. B. Homocysteinspiegel im Serum beim Labor Enders Stuttgart
        (Preis: € 33,20) (Hinweis: Bei Frauen vor der Menopause sollte wenn möglich der Homocys­tein­spiegel im Serum während der 1. Zyklushälfte bestimmt werden, da er in der 2. Zyklushälfte aufgrund des Progesteronanstiegs anscheinend physiolo­gisch gesenkt wird und dadurch der ermittelte Homocystinwert falsch niedrig sein kann!)

 

 

 

Methylierungskreislauf

Erklärung: HNMT-übergeordnete Methylierungskreisläufe 


 Methylation Map

 

Hinweis: 
Einen Einblick in den Status der Methylierungskofaktoren (Folsäure & B12) sowie der Zwischen- und Endprodukte des Methylierungskreislaufs (Methionin, Cystin, Gluthation = siehe Bild oben) liefert das Testkit "Mikronährstoffe Haare Plus"des Labors Ganzimmun (Preis: € 235,00) Gemessen werden neben Biotin, Calcium, Ferritin (Eisen), Folsäure (inaktive Form), Kupfer, Magnesium, Thiolen, Vitamin B6 (inaktive Form), B12 (inaktive Form), Vitamin E, Zink auch Methionin sowie Cystein, Tyrosin und Gluthation). Zur Durchführung dieses Testes ist eine Bestellung, Blutentnahme und Einsendung des Testkits durch den behandelnden Arzt erforderlich.

 

Sekundäre Laboruntersuchungen (Ursachenforschung)

       
1. Folsäure im Serum:
Eventuell erhöht

  •        Erklärung: 

          Liegen der Histaminspiegel im Serum im oberen Referenzbereich o. darüber (vgl. "Histamin im Serum"), das Methylhistamin im 24 Std. Urin im unteren Referenzbereich o. darunter  und der Homocysteinspiegel im Serum oberhalb des optimalen Referenzbereiches (6 -8 µmol/l), ist dies ein Hinweis auf eine mögliche sog. „Untermethyl­ierung“ bzw. eine HNMT-bedingte Histadelie/Histaminintoleranz. Eine der Ursachen hier­für kann ein Mangel des Mikronährstoffs/Hauptmethylierungskofak­tors aktives Folat/Vitamin B9 (L-Methylfolat) sein. Ursache dieses Mangels kann unter anderem eine angeborener MTHFR-­Gendefekt o. ein erworbene MTHFR-Hypoaktivität (vgl. "Ursachen einer HNMT-bedingten Histadelie/Histaminintoleranz") sein. Oft ist gleichzeitig der Vorläufer des aktiven Folats (L-Methylfolats) = das inaktive Folat (Folsäure) im Blut erhöht, da es nicht richtig umgewandelt werden kann. Leider lässt sich nach aktuellem Kenntnisstand der L-Methylfolat-Status im Blut nicht direkt nachweisen. Jedoch kann ein eher hoher Spiegel an inaktivem Folat (Folsäure) im Blut, der in Kombination mit den bereits genannten Laborparametern auftritt, ein zusätzlicher Indikator für eine HNMT-bedingte Histadelie/Histaminintoleranz sein. 

    Ein erster Hinweis auf eine Folsäureverwertungsstörung kann auch die Unverträglichkeit von indus­triell gefertigten folathaltigen Nahrungsmitteln u./o. gängigen folathaltigen Nahrungs­ergän­zungsmitteln sein. Denn in beidem wird normalerweise die inaktive, synthetische Form des Folats (Folsäure) zugesetzt (Unterschied zwischen Folsäure & Methylfolat!). Bei einer Untermethylierung kann jedoch ge­nau diese inaktive Form des Folats (Folsäure) nicht ausreichend in die aktive Form des Folats (L-Methylfolat) umgewandelt werden, weshalb die Betrof­fenen häufig mit Folsäure-Unver­träglichkeitssymptome (z. B. Kopf­schmerzen u./o. Migräne, Asthma, etc.) reagieren. Interessanterweise berich­ten HI-Betroffene immer wieder davon, dass sie auf in­dustriell gefertigte folathaltige Nahrungsmittel u./o. gängige folathaltige Nah­­rungs­ergänzungs­mittel mit Unver­träglichkeitssymptomen reagieren!

    •         Hoher Folsäure-Status im Serum
      Ein Folsäure-Status im Blut (Serum), der normal ist o. sogar im oberen  Refe­renzbereiches  liegt, bedeutet nicht zwangs­läufig, dass die Methylie­rung (u.a. des Histamins durch die HNMT) normal funk­­tioniert, sondern kann in Kombination mit den eben erwähnten Parametern auch auf eine HNMT-bedingte Histadelie/­His­­ta­­min­intole­ranz hinweisen. Der Grund: Bei der gängigen Untersuchung des Folat-Status im Blut wird nur die biolo­gisch inaktive Form des Folats, die Fol­säure be­stimmt. Für den der Histamin-Methylie­rung übergeordneten Methylierungskreislauf ist jedoch das aus­reich­ende Vorhan­den­sein der biologisch aktiven Form des Folats (L-Methyl­folat) ausschlag­gebend. Normaler­weise er­folgt die Umwandlung der biolo­gisch in­aktiven Form des Folats (Folsäure) in die biologisch aktive Form des Folats (L-Methyl­folat) durch das Enzym Me­thyl­ente­tra­­hydro­folatredu­ktase (MTHFR) in der Leber. Allerdings kann die Aktivität/Synthese der MTHFR durch verschiedene erworbene o. angeborene Faktoren (vgl. "Ursachen einer HNMT-bedingten Histadelie/Histaminintoleranz) mäßig bis stark vermin­dert sein. In diesem Fall kann nicht genügend inaktives Folat (Folsäure) in aktives Folat (L-Methylfolat) umgewandelt werden. Aufgrund dieser Folsäureverwertungsstörung liegt der Fol­säure-Status im Blut (Serum) häufig im normalen o. sogar oberen Referenzbereich, gleich­­­zeitig besteht jedoch ein Mangel an L-Methylfolat, der eine Untermethylierung (u.a. auch des Histamins durch die HNMT) zur Folge hat. Leider gibt es nach aktuellem Wissens­stand in Deutsch­land bisher noch keine Mög­lich­keit zum direkten labordiagnosti­schen Nach­weis des L-Methylfolat-Status  im Blut.  Möglich ist allerdings der la­bor­dia­gnos­tische Nach­weis einer vererbten MTHFR-Genmuta­tion (siehe unten). 
  •        Bestimmung des Folsäure-Status im Serum: 

          Wie bereits erwähnt, gibt es nach aktuellem Wissensstand in Deutschland nur die Möglichkeit des direkten labordiagnostischen Nachweises der biologisch inakti­ven Form des Folats (Folsäure) im Blut.  Wie oben beschrieben, kann allerdings ein normaler bis hoher Folsäure-Status im Blut, der in Kombination mit hohem Histamin, hohem Homocystein, niedrigem Methylhistamin auftritt, ein möglicher weiterer Hin­weis auf eine Untermethylierung bzw. eine HNMT-bedingte Histadelie/His­­ta­min­intoleranz sein.

          Der Folsäure-Status im Blut kann durch das Labor des behan­delnden Arztes bestimmt werden. Die Kosten werden nur bei ent­sprechender Indikation (evtl. z. B. Schwangerschaft) von den Krankenkassen übernommen und belaufen sich in der Regel auf ca. 5 – 10 Euro. Für weitere Informationen über mögliche labordiagnostischen Verfahren zur Bestimmung des Folsäurestatus siehe auch hier. Eventuell eignet sich ein sog. RBC-Folsäure-Test, bei dem die Menge an Folsäure in den roten Blutkörperchen (RBC = Red Blood Cells) gemessen wird, besser als ein einfacher Test auf Foläure im Serum, da hier die intrazellulär verfügbare Folsäure gemessen wird  (vgl. Journal of Clinical Pathology). 

  • Wichtige Anmerkung: 

    Einen ersten Hinweis auf einen eventuellen Mangel des Mikronährstoffs Vitamin B9 (Folat) liefert u.U. auch der Laborwert "MCV" (Kleines Blutbild). MCV steht für das Englische „Mean Corpuscular Volume“, übersetzt „Mittleres korpuskuläres Zellvolumen“. Der Laborwert MCV gibt Aufschluss über die Größe der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). 

    • ↑MCV: Ein zu hoher MCV-Wert (oberhalb des angegebenen Referenzbereiches) bedeutet eine Vergrößerung der roten Blutkörperchen und ist ein möglicher Indikator für:

      • Mangel an Vitamin B12 

      • Mangel an Vitamin B9 (Folat)

      • Mangel an Vitamin B6  

    • ↓MCV: Ein zu niedriger MCV-Wert (unterhalb des angegebenen Referenzbereiches) bedeutet hingegen eine Verkleinerung der roten Blutkörperchen und ist ein möglicher Indikator für:

      • Mangel an Vitamin C

      • Mangel an Kupfer

      • Mangel an Eisen (Anämie)

      • Thalassämie 

      • Bleivergiftung

Auf einen Mangel des Mikronährstoffs Vitamin B9 (Folat) kann außerdem u.U. auch der Laborwert "MCH" (ebenfalls Kleines Blutbild) hinweisen. MCH steht für das Englische "Mean Corpuscular Hemoglobin", übersetzt "Mittleres korpuskuläres Hämoglobin. Der Laborwert MCH gibt Aufschluss über die durchschnittliche Konzentration von Hämoglobin, die in einem einzelnen roten Blutkörperchen enthalten ist.

    • ↑MCH: Ein zu hoher MCH-Wert (oberhalb des angegebenen Referenzbereiches) ist ein möglicher Indikator für:

      • Mangel an Vitamin B12

      • Mangel an Vitamin B9 (Folat)

      • Schilddrüsenunterfunktion

    • ↓MCH: Ein zu niedriger MCH-Wert (unterhalb des angegebenen Referenzbereiches) ist dagegen ein möglicher Indikator für:

      • Mangel an Eisen (Anämie)

      • Thalassämie

      • Mangel an Kupfer

 

2. Angeborener HNMT - u./o. MTHFR-Gendefekt: Möglich 

  • Erklärung: 

    Besteht der Verdacht, dass die HNMT-bedingte Histadelie/Histaminintoleranz angeboren sein könnte, kann man entsprechende Gentests durch­führen lassen, wobei zum einen das histaminabbauende Enzym HNMT genetisch bedingt "defekt" sein kann, zum anderen aber auch das Enzym MTHFR, dass der HNMT die Methylgruppen liefert, die sie für den intrazellulären Abbau (Methylierung) des Histamins benötigt.    

  • Durchführung des HNMT-Gentests:

    Nach aktuellem Wissensstand werden die Kosten für einen HNMT-Gentest in Deutschland nicht von den gesetz­lichen Krankenkassen übernommen. Man kann den Gentest aber als Selbstzahler über den behandelnden Arzt durchführen lassen und privat bezahlen. Der HNMT-Gentest wird in Deutschland beispeilsweise von folgendem Labor durchgeführt:

  • Durchführung des MTHFR-Gentests:

    Hauptindikatoren für das mögliche Bestehen einer MTHFR-Genmuta­tion ist ein hoher Homocysteinspiegel. Nach aktuellem Wissensstand werden die Kosten für einen MTHFR-Gentest in Deutschland nur bei entsprechender Indikation (z.B. wiederholte Fehlgeburten, Thromboseneigung) von den gesetz­lichen Krankenkassen übernommen.  Man kann ihn aber als Selbstzahler über den behandelnden Arzt durchführen lassen und privat bezahlen. Der MTHFR-Gentest ist in Deutschland ein Blut­test, der meistens von Blutgerin­nungs­laboren ange­boten wird. Er kann z. B. über folgen­des Labor durchgeführt werden:

 

  • Mögliche andere Gendefekte (sog. SNPs oder Polymorphismen):

    Die Synthese des Methylgruppenspenders S-Adenosylmethionin (SAM), von dem die HNMT Methylgruppen erhalten muss, um intrazelluläres Histamin in ausreichendem Maße methylieren/abbauen zu können, kann nicht nur durch einen angeborenen MTHFR-Gendefekt vermindert sein. Auch angeborene Gendefekte von anderen Enzymen, die am Methionin/-Homocysteinmethylierungskreislauf beteiligt sind (z. B. MAT, CBS, BHMT), können die Synthese von SAM vermindern! Welche dieser Enzyme zusätzlich zur MTHFR oder auch anstatt der MTHFR möglicherweise eine verminderte SAM-Synthese verursachen, kann durch einen genetischen Speicheltest in folgendem amerikanischen Labor untersucht werden:

    • Labor 23andMe 

      • Dieser Test ist nur selbstbestellbar und muss auf eigene Kosten durchgeführt werden. Kosten: $99 + $79 Versandkosten (inklusive Rückfrankierung)

      • Man erhält vom Labor 23andMe ein Speichel-Testkit (per DHL International Express) inklusive englischsprachiger Testbeschreibung sowie Rücktransportschein und Rücktransporttasche.

      • Nach Rücksendung der Speichelprobe stellt 23andMe innerhalb von ca. 6 - 8 Wochen die Ergebnisse des genetischen Speicheltests in Form einer Raw-Data-Zip-Datei ("Raw Data = Rohdaten) im persönlichen Online-Account  zur Verfügung. Diese Zip-Datei muss man downloaden (runterladen) und anschließend zur Auswertung bei folgenden Anbietern uplloaden (hochladen):

        • www.livewello.com
          Dieses Online-Portal bietet die bisher umfangreichste Auswertungmöglichkeit der Rohdaten von 23andMe, da mit der 23andMe-App von Livewello (Kosten: $20) ein Standard-Report erstellt wird, der angeborene Genmutationen von ca. 300 verschiedenen Enzymen ausgewertet. Zusätzlich kann man mit der App-Funktion "Sandbox" auch Gen-Auswertungstemplates für spezielle Erkrankungen (z. B. Histamin/DAO/HNMT) erstellen. 

        • www.mthfrsupport.com
          Dieses  Online-Portal bietet ebenfalls eine umfangreiche Auswertungmöglichkeit der Rohdaten von 23andMe. Hier werden angeborene Genmutationen von ca. 100 versch. Enzymen ermittelt. "For $20, they [www.mthfrsupport.com] run your 23andMe raw data into a report which has well over 100 genes reported for you. This report is broken down into various categories. (Quelle: Dr. Benjamin Lynch "MTHFR Test Options")

        • www.geneticgenie.org
          Dieses Portal arbeitet auf Spendenbasis. Es ermöglicht allerdings nur die Auswertung angeborener Genmutationen von Enzymen, die an der Methylierung beteiligt sind - sog. "Methylation Analysis"!


3. Vitamin B12 (Methylamonsäure) im Urin: Eventuell erhöht (˃2,6 mg/g)

  • Erklärung:

    Zusätzlich zu (oder manchmal auch anstatt) einer Folsäureverwertungsstörung kann eine Unter­methylierung bzw. HNMT-bedingte Histadelie/Histaminintoleranz auch durch einen Mangel des Mikronährstoffs/Methylierungskofaktors Vitamin B12 bzw. spezeill dessen aktiven Metabo­liten „Methylcobalmin“ verursacht werden. Dieser Verdacht liegt besonders nahe z. B. bei Unter- o. Fehlernährung, Mal­digestion durch latente Pankreasinsuffizienz oder verminderter Nährstoff­resorption aufgrund verschiedener gastrointestinaler Erkran­kungen (vgl. „Ursachen HNMT-bedingter Histadelie/Histaminintoleranz“). Beispielsweise kann es v.a. bei chronischer Gastritis Typ A durch einen Mangel des Intrinsic Faktors zu einem B-12-Mangel kommen. Der Intrin­sic-Faktor (IF) ist ein Glykoprotein, das der Aufnahme von Cobalamin (Vitamin B12,  Extrinsic Factor) im Dünndram (terminalen Ileum) dient.  

  • Bestimmung der Methylamonsäure im Urin:

    Ein recht aussagekräftiger bzw. sensitiver Mar­ker für einen Vitamin B12-Mangel - speziell einen Mangel an aktivem Vitamin B12 (Methylcobalmin) - ist die erhöhte Ausscheidung von Methylamon­säure im Urin. Sie lässt Rück­schlüsse auf das im Körper metabolisch verfügbare bzw. biolo­gisch aktive Vitamin B12 (Meth­ylco­bal­min) zu. „[Aktives] Vitamin B12 fungiert als Coenzym der Methylmalonyl-CoA-Mutase, die im Citratzyklus Methylmalonyl-CoA zu Succinyl-CoA katalysiert. Ist dieser Stoff­wechselweg z.B. in Folge eines ver­minder­ten Vitamin B12-Angebotes gestört, kommt es zu einer vermehrten Ausscheidung von Methylmalonsäure.“ (Quelle: Ganzimmun Diagnostics). 

    • Liegt die Ausscheidung der Methylamonsäure im Urin oberhalb des  Refe­renzbereiches (˃ 2,6 mg/g) weist dies auf einen Mangel an aktivem Vitamin B12 sowie eine eventuell dadurch verursachte Untermethyl­ierung bzw. HNMT-bedingte Histadelie/Histaminintoleranz hin.

    • Liegt die Ausscheidung der Methylamonsäure im Urin innerhalb des sog. Graube­reiches (1,0 – 2,5 mg/g) weist dies auf eine eventuell vermin­derte Ver­fügbarkeit von aktivem Vitamin B12 sowie eine unter Umständen dadurch verursachte  Untermethyl­ierung bzw. HNMT-bedingte Histadelie/Histamin­intoleranz hin.

      Die labordiagnostische Untersuchung der Methylamonsäure im Urin wird nach aktu­ellem Wissenstand in Deutschland bisher nicht von den gesetzlichen Kranken­kassen  übernommen. Man kann sie aber als Selbstzahler über den behandelnden Arzt durch­führen lassen und privat bezahlen. Dazu kann der behandelnde Arzt ein entsprechen­des Testkit beim Labor (siehe Beispiel) anfordern und anschließend den Urin zur Ana­lyse ins Labor einschicken. Wo?

  

4. Vitamin B6 im Serum:  Eventuell vermindert 

  • Erklärung:
    Bei einer Untermethylierung des Histamins durch die HNMT, die mit einem hohen oder erhöhten Histaminspiegel im Blut, einem verminderten Gehalt an Methylhista­min im Urin sowie einem hohen oder erhöhten Homocysteinspiegel einhergeht, muss (wie unter „Homocystein im Serum“ beschrieben) vermehrt nicht-remethylier­bares Homocystein über Transsulfurations­reaktionen zu Cystin abgebaut werden. Dieser Abbau bzw. diese Transsulfurationsreaktionen erfolgen mit Hilfe von Vitamin-B6-abhängigen Enzymen. Vor allem die Aktivität/Synthese des Enzyms Cystation-ß-Syn­thase (CBS), das im ersten Schritt Homocystein zu Cystathionin abbaut, ist stark  vom Kofaktor aktives Vitamin B6 (Pyridoxal-5-Phosphat / P5P) abhängig. Bei einer länger bestehenden Untermethylierung und damit einhergehenden vermehrten Transsulfu­ra­tion von nicht-remethylierbarem Homocystein in Cystathion/Cystin, kann es daher zu einem vermehrten Verbrauch an aktivem Vitamin B6 (P5P)  und in der Folge zu einem P5P-Mangel kommen. Dies ist vor allem der Fall, wenn gleichzeitig die Aufnah­me von inakti­vem Vitamin B6 (Pyridoxin) oder die Umwandlung von inaktivem Vita­min B6 in aktives Vitamin B6 (P5P) beeinträchtigt ist (wie z. B. bei Unter- o. Fehler­nährung, Maldigestion durch latente Pankreasinsuffizienz oder ver­minderter Nähr­stoff­resorp­tion bei verschiedene gastrointestinalen Er­kran­kungen – vgl. „Ursachen HNMT-bedingter Histadelie/Histaminintoleranz“). Folglich kann eine Untermethy­lierung des Histamins durch die HNMT neben einem Mangel an aktivem Folat (L-Methylfolat) u./o. einem Mangel an aktivem Vitamin B12 (Methylcoblamin) auch mit einem Mangel an aktivem Vitamin B6 (Pyridoxal-5-Phopshat) vergesellschaftet sein.

  • Bestimmung von Vitamin B6 im Serum: 

    Die labordiagnostische Bestimmung des Vitamin B6 im Serum wird leider nicht zwangs­­läufig von den gesetzlichen Krankenkassen über­nommen. Bitte des­halb den behandelnden Arzt wegen der Kostenübernahme befra­gen! Zu beachten gilt auch:

    • Bei der gängigen Laboruntersuchung des Vitamin-B6-Spiegels im Blut (Serum) wird nicht der tatsächliche intrazelluläre Spiegel an Vitamin B6 gemessen wird, sondern nur der extrazelluläre Spiegel - also nicht das Vitamin B6, das wirklich in den Zellen ankommt. Gerade der intrazelluläre Vitamin-B6-Spiegel ist jedoch bei Methy­lierungsfragen von großer Bedeutung, da die Methylierung ja ein Prozess ist, der im Inneren der Zellen abläuft. Der intra­zelluläre Vitamin-B6-Spiegel wird nur im Rahmen einer sog. "Mikronährstoffanalyse im Vollblut“ bestimmt. Diese Analyse wird jedoch generell nicht von den ge­setzlichen Krankenkassen übernommen. Man kann sie aber als Selbstzahler über den behan­delnden Arzt durch­führen lassen und privat bezahlen. Dazu kann der be­han­deln­de Arzt ein ent­sprechendes Testkit beim Labor (siehe Beispiel) anfordern und  anschließend die Blutprobe zur Analyse ins Labor einschicken. Wo?

    • Allerdings ist die gerade beschriebene Untersuchung des Vitamin-B6-Spiegels im Vollblut gerade bei Methylierungsfragen nicht 100% aussagekräftig. Denn untersucht wird hier zwar der intrazelluläre Spiegel an Vitamin B6, jedoch handelt es sich dabei um den intrazellulären Spiegel an inaktiven Vitamin B6 (Pyridoxin). Für die Methylierung ist jedoch der intrazelluläre Spiegel an aktivem Vitamin B6 (Pyridoxal-5-Phopshat / P5P) viel wichtiger. Eine labordiagnostische Untersuchung des P5P-Spiegels im Vollblut wäre hier also die optimale Lösung. Diese labordiagnos­tische Untersuchung wird nach aktuellem Wissensstand leider bisher noch nicht in Deutschland ange­boten. Allerdings wird sie anscheinend bereits von Laboren in der Schweiz und den Nieder­landen durchgeführt. Dazu kann der behandelnde Arzt ein entsprechendes Testkit beim Labor (siehe Beispiele) anfordern und anschließend die Blut­probe zur Analyse ins Labor einschicken. Wo?

      • z.B. "Pyridoxal-5-Phosphat im Vollblut" beim Schweizer Labor Viollier 
        (Preis: ? / Nicht ganz klar ist, ob es sich wirklich um eine Untersuchung des P5P im Vollblut handelt - Nachfragen!)

      • z. B. "Vitamin Panel 8" beim Niederländischen European Laboratory of Nutrients (ELN) 
        (Preis: ? / Gemessen werden: Carotin (Pro-Vitamin A), Vitamin A (Retinol), Vitamin B3 (Niacin, Nicotinamide, Nicotinic acid), Vitamin B6 (Pyridoxal-5-Phosphate), Vitamin B9 (Folic acid), Vitamin B12 (Cobalamin), Vitamin C (Ascorbinsäure), Vitamin E (Tocopherol); nicht ganz klar ist, ob es sich wirklich um Untersuchungen im Vollblut handelt - Nachfragen; eventuell kann man auch versuchen, eine Einzeluntersuchung des Vitamin P5P anzufragen.) 

 

 

 

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